Die Zauberformel
Bundesratswahlen 1959: Die Geburt der Zauberformel
Im Dezember 1959 werden gleich vier neue Bundesräte gewählt: Jean Bourgknecht (CVP), Willy Spühler...
«Wir sind noch nicht reif für ein Präsidialsystem»
Nach Abschluss ihrer politischen Retraite schildern die Bundesräte Nello Celio und Hanspeter...
Nicht-Wahl von Lilian Uchtenhagen
Am 7. Dezember 1983 zieht die bürgerliche Mehrheit der Vereinigten Bundesversammlung den Basler...
Steht die Zauberformal vor dem Aus?
Das Festhalten an Zauberformel und Regionenproporz verhindert eine freie Auswahl unter geeigneten...
Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) stellt die Zauberformel in Frage
Der CVP-Nationalrat Gianfranco Cotti will die Bundesratsparteien auf ein Regierungsprogramm...
Der 100. Bundesrat ist eine Frau: Ruth Dreifuss
Die Wahl des sozialdemokratischen Nationalrats Francis Matthey in den Bundesrat löst eine...
H. P. Tschudi: die Zauberformel, «eine helvetische Besonderheit»
Alt-Bundesrat Hans Peter Tschudi äussert sich zu den Vor- und Nachteilen der Zauberformel. Tschudi...
Die Zauberformel im Visier der SVP
Im Streitgespräch stehen sich der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr und der Tessiner Staatsrat...
Blocher sprengt die Zauberformel
Die seit 1959 bestehende parteipolitische Zusammensetzung der Landesregierung wird mit der Wahl des...
Kontext
Bei der Bundesratswahl im Dezember 1959 sind vier Sitze neu zu bestellen. Vor allem auf Betreiben der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei (heute CVP) werden der FDP, CVP und SP je zwei Sitze und der BGB (heute SVP) ein Sitz zugeteilt. Im Vorfeld der Wahl spricht die Deutschschweizer Presse von der «magischen Formel» beziehungsweise von der «Zauberformel», in der Westschweiz etabliert sich «formule magique» (während man zuvor von der «formule proportionnelle» sprach), im Tessin «formula magica». Die Zauberformel bringt die langfristige Integration der SP in die Landesregierung, in welcher diese Partei seit 1953 nicht mehr vertreten war.
Die nach der Zauberformel gebildete All- oder Mehrparteienregierung gilt als Ausdruck der Konkordanzdemokratie, bei welcher alle grossen, referendumsfähigen politischen Lager in die konsensorientierte Entscheidungsfindung eingebunden werden. Dennoch wird besonders die Beteiligung der SP mehrfach in Frage gestellt, einerseits durch die Partei selber bei der Nicht-Wahl der von ihr vorgeschlagenen Kandidatinnen (1983 Lilian Uchtenhagen, 1993 Christiane Brunner), andererseits durch die bürgerlichen Parteien, die der SP in Sachfragen das Ausscheren aus dem Regierungskonsens vorwerfen.
Nach dem Aufstieg der SVP in den 1990er Jahren zur wählerstärksten Partei (1999) widerspiegelt die Zauberformel nicht mehr die Parteienstärke. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, die Zauberformel zu sprengen, geht aus der Wahl vom 10.12.2003 eine neue parteipolitische Zusammensetzung hervor: Die CVP als die nur mehr viertstärkste Partei verliert einen Sitz an die SVP. Die Modifikation der Zauberformel ist mit der äusserst seltenen Nicht-Wiederwahl eines Regierungsmitglieds (Ruth Metzler-Arnold) verbunden.
Die Zauberformel wurde immer wieder in Frage gestellt, aber auch als Element der Konkordanzdemokratie geschätzt. Bei aller Härte der parlamentarischen Auseinandersetzung ist die breite parteipolitische Abstützung der Regierung letztlich ein Beitrag zur Erreichung des sogenannten «gut schweizerischen Kompromisses» und trägt damit zur politischen Stabilität der Schweiz bei.